Schlechter Handy-Empfang im Zug – Die Bahn will nun Abhilfe schaffen

Wer viel mit dem Zug unterwegs ist, kennt das Problem: Telefonate sind oft nur von kurzer Dauer, da die Verbindung häufig unterbrochen wird. Gegen den schlechten Handy-Empfang im Zug will die Deutsche Bahn nun vorgehen – eine neuartige Fensterscheibe soll Abhilfe schaffen.

Bis Ende des Jahres 2019 waren die drei großen Mobilfunkbetreiber Telekom, Vodafone und Telefónica von der Bundesnetzagentur angehalten, zumindest die ICE-Strecken in Deutschland mit LTE zu versorgen. Die Betreiber konnten dieses Ziel jedoch nicht rechtzeitig erreichen. So schaffte die Telekom eine Netzabdeckung von immerhin 96,4 Prozent, Vodafone kam auf 95 Prozent und Telefónica-Kunden müssen sich mit gutem Empfang auf 80 Prozent der ICE-Strecken zufriedengeben. Laut der Betreiber sind jedoch ebenfalls die Fensterscheiben für den schlechten Handy-Empfang im Zug mitverantwortlich, da die Funkfrequenzen durch sie nur eingeschränkt bis in den Zug durchkommen.

Die aktuell verbauten Scheiben sind mit einer dünnen Metallschicht versehen, um Wärme und Sonnenstrahlen draußen zu lassen. Aber eben auch Mobilfunkwellen finden durch die Scheiben nur eingeschränkt den Weg ins Innere des Zuges. Seit geraumer Zeit arbeitet die Bahn nun an einer Lösung des Problems. So wird versucht, die Fensterscheiben mit einem Laser wieder durchlässiger zu machen, sodass die Frequenzen der Mobilfunknetze leichter hindurch kommen können. Aktuell sind in den ICEs und vielen Intercity-Zügen bereits Repeater, also Signalverstärker installiert. Diese fangen die Funkwellen mithilfe von Außen-Antennen ein und übertragen sie nach innen. Allerdings gibt es Repeater nicht in jedem Waggon und in jedem Wagen-Typ der Züge der Deutschen Bahn. Auch müssen die Repeater zum Teil ausgetauscht und nachgerüstet werden, etwa bei der Einführung neuer Mobilfunkstandards. Die Fensterscheiben wären im Gegensatz dazu unabhängig von bestimmten Standards, was besonders in Hinblick auf den bevorstehenden Ausbau des 5G-Netzes für den flächendeckenden Einsatz der Scheiben spricht. Nichtsdestotrotz gilt: Wo es nicht ausreichend Funkmasten gibt, kann auch nichts durch die Fenster gelangen.

Die Tests mit den neuen Fenstern unter realen Bedingungen sollen noch in diesem Jahr abgeschlossen sein. Wann die Fenster dann flächendeckend installiert werden, ist bisher jedoch noch nicht klar. Die Bundesnetzagentur fordert, dass bis zum Ende des Jahres 2022 alle „wichtigen Schienenwege“ mit mindestens 100 Mbit pro Sekunde versorgt sein müssen, bis Ende 2024 ebenfalls alle übrigen Strecken mit mindestens 50 Mbit pro Sekunde. Ein durchgehend guter Handy-Empfang im Zug und ein unbeschwertes Telefonvergnügen lassen also noch auf sich warten.

Quelle: t3n


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